Von der operativen Nachfolge in die Gesellschafterrolle.

Yvonne* ist Teilnehmerin unserer Mittwochs-Peergroup. Sie ist das erste Mal dabei und hat den dringenden Wunsch, zu ihrem Anliegen neue Impulse zu bekommen. Sie leitet gemeinsam mit ihrer Cousine …

Die Situation: Guter Start als Nachfolge-Team

Yvonne leitet gemeinsam mit ihrer Cousine Maria die europaweit tätige Versicherungsagentur ihres verstorbenen Vaters und seines Bruders. Vor fünf Jahren war sie die direkte Nachfolgerin ihres Onkels geworden. Mit der sieben Jahre jüngeren Marie bildete sie in der Einarbeitungszeit ein gutes Team. In der Rückschau berichtet sie jedoch davon, dass sie mit der Zeit mehr und mehr das Gefühl der totalen Unfreiheit bekam: Maria war unselbständig. Sie überließ Yvonne die meisten Entscheidungen und brachte keinerlei eigene Impulse in die Unternehmensführung. Geschäftsführungsbesprechungen waren meist davon gekennzeichnet, dass Yvonne die Richtung vorgab und Marie anstandslos folgte. In den Gesellschafterversammlungen mit den weiteren Geschwistern gingen alle wie selbstverständlich davon aus, dass Yvonne über alles Bescheid wusste und Ansprechpartnerin für alles war.

Dies wurde Yvonne von Jahr zu Jahr unangenehmer. Als ausgebildete Steuerberaterin bekam sie in ihrer nebenberuflichen Tätigkeit immer mehr spannende Aufträge. Diese Aufgaben im internationalen Steuerrecht lockten sie hinaus in die Welt. Die Unselbständigkeit ihrer Cousine trat mit jeder neuen Reise deutlicher zu Tage. 

Das Anliegen: Darf ich ich mich in die Gesellschafterrolle zurück ziehen?

Dies alles berührte Yvonne sehr, am allermeisten jedoch die Frage: Darf ich mich nach fünf Jahren erfolgreicher Unternehmensführung in meine Gesellschafterrolle zurück ziehen? Oder bin ich es dem Unternehmen und meinem Vater, meiner Tante und Marie schuldig, dafür zu sorgen, dass alles weiter geht wie gewohnt?

Unsere Unterstützung: Kollegiale Beratung 

Die Peergroup wählt die kollegiale Beratung als geeignete Methode, Yvonne zu unterstützen. Dabei werden verschiedene Phasen durchlaufen, in der Yvonne zunächst ihr Anliegen genau beschreibt und die Gruppe konkrete Nachfragen stellt. In der nächsten Runde tauschen sich die Peergroup-Teilnehmerinnen über ihre Gedanken aus, Yvonne lauscht und macht sich Notizen. 

An ihrem Gesicht sehen wir, wie unsere Impulse auf sie wirken. Besonders leuchten ihre Augen, als wir uns darüber austauschen, wie glücklich sie sich schätzen kann, dass sie mit ihrer beruflichen Kompetenz als Steuerberaterin so gefragt ist. Eine Aufgabe, die ihr viel mehr Freude bereitet, als die Leitung der Versicherungsagentur. Unser Austausch über ihr geradezu mütterliches Verhältnis zu Marie lässt sie blass werden: Wir wundern uns über das extreme Verantwortungsgefühl, dass Yvonne ihr gegenüber hat und fragen uns, ob das angemessen ist. 

Im nächsten Schritt berichtet Yvonne von ihren Gedanken beim Zuhören, sie ist viel gelöster als zu Beginn. Insbesondere der Impuls einer Teilnehmerin, dass Yvonne mit ihrer Stärke und Professionalität der jüngeren Marie vielleicht den Raum für ihre eigene Entwicklung nimmt, stimmt sie sehr nachdenklich. Denn ja, je weniger Zeit sie im Unternehmen verbringt, umso mehr Raum nimmt sie Marie, eigene Entscheidungen zu treffen. Denn die ganze Organisation ist inzwischen auf Yvonne ausgerichtet und sie hat sich angewöhnt, schnell, direkt und unkompliziert zu agieren. Platz für Austausch mit Marie bleibt da schon lange nicht mehr. 

Zum Schluss: Eine warme Dusche

Zum Abschluss unseres Meetings beschreibt uns Yvonne, was sie sich nun als nächstes vornimmt: 1. Sie verschafft sich einen Überblick, zu welchem Zeitpunkt ein Austritt aus dem Unternehmen Sinn macht. 2. Sie informiert zunächst Marie über ihre Pläne. 3. Sie informiert die Gesellschafter in der kommenden Gesellschafterversammlung. 

Im allerletzten Schritt erhält Yvonne eine warme Dusche von uns: Jede Teilnehmerin sagt ihr, was sie am meisten an ihr schätzt. Ein schöner Abend geht zu Ende. Beim nächsten Treffen werden wir erfahren, wie es ihr ergangen ist. Danke für Deine Offenheit, Yvonne!

* Den Namen haben wir geändert.

Foto: Nachfolgeworkshop Susanne Dahncke

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